Mast – und Schotbruch – Schöne Segeltage mit ungutem Ausgang – 03. bis 09. Juni 2016

IMG_4265Ich habe ein paar Tage Zeit. Zeit um für mich alleine zu sein. Ein paar Sachen sind schnell zusammengepackt und das Auto beladen. Den Weg nach Altwarp vertreibe ich mir, wie so häufig, mit Gedanken an die bevorstehenden Segeltage. Die Tage vor dem Törn fühle ich mich zu Hause immer wie eingesperrt. Ich möchte unterwegs sein, die Seeluft genießen und mit tollen Erlebnissen wieder zurückkehren. Diesmal jedoch, sollte ich mit einer Erfahrung zurückkehren, die von vielen Seglern gefürchtet ist. Aber dazu komme ich Später.

Unverhofft kommt oft – Smalltalk mit Micha und Loupi von der X-Trip während der Überführung

Aber erst einmal von Anfang an. Es ist Mittwoch der 02. März. An diesem Morgen stehe ich früh auf. Um 7:50 Uhr geht mein Bus von Berlin nach Kiel. Heute soll es soweit sein. Das Boot wird von Kiel nach Altwarp verlegt. Somit also mein Saisonbeginn 2016 der im Verlauf mit einem Treffen der X-Trip gekrönt wird.

13:30 Uhr Zusammenkunft

Der Bus kommt mit geringfügiger Verspätung in Kiel an. Mein Vater wartet schon am Busbahnhof um mir beim Tragen meiner Sachen zu helfen. Am Boot wartet bereits Hauke, der uns bei der Überfahrt begleiten möchte. Ein kurzer Smalltalk noch am Boot und schon geht’s los. Wir verlegen das Boot aus der Hörn heraus hinter die Brücke, denn wir wollen noch Bunkern gehen und wollen nicht riskieren, später nicht mehr durch die Brücke zu kommen. Schließlich wollen wir ja heute ein gutes Stück voran kommen. Die Worte des Brückenwarts nachdem wir Ihm Auskunft über unser Ziel geben : „Ihr seid doch nicht ganz dicht“

17:00 Uhr Letzte Vorbereitungen

Der Einkauf für die nächsten Tage ist erledigt, das Boot beladen und die Leinen los. Es geht los. Bei strömenden Regen geht’s die Förde hinaus. Bereits ab Friedrichsort sind die ersten Sterne in Sicht. Der Einbruch der Nacht zeigt sich in verschiedenen Farben. Irgendwann ist es finster und über uns ein Sternenhimmel wie ich ihn lange nicht gesehen habe.

IMG_3438

19:30 Uhr Kiel – Leuchtturm

Der Leuchtturm von Kiel liegt hinter uns . Der Kurs Richtung Fehmarn liegt an . Leider kommt der Wind aus der falschen Richtung. Wir müssen motoren.

23:30 Uhr Endlich Segeln

Nun endlich Wind raumschots. Das sieht doch nicht schlecht aus. Die Segel sind gesetzt und gemütlich gleitet Lilo durch die Nacht. Hauke bekommt davon nicht mehr viel mit. Er hatt sich vorher schon in die Koje gelegt. Ich sitze am Ruder, mein Vater liegt in der Deckshauskoje und döst vor sich hin.

FullSizeRender

03.03. 01:30 Uhr Es geht weiter, ohne Segel

Der Wind hat gedreht. Die Segel sind wieder unten und wir motoren gegen eine ungemütliche Welle und gegen den Wind. Wir kommen nur mühsam voran. Mehr als 4 Knoten sind nicht drin. Das soll sich auch vorerst nicht ändern.

08:00 Uhr Fehmarn

Wir sind an Fehmarn vorbei. Zum Frühstück gab es kalte Frikadellen. An kaffeekochen ist nicht zu denken. Lilo kämpft sich durch die Wellen. Immer wieder geht’s krachend in tiefe Wellentäler. Das Steuern ist mühsam, da das Boot stets hin und her geworfen wird. Hauke ist mittlerweile wieder wach.

10:00 Uhr Entscheidung

Kleine Krisensitzung. Wir beratschlagen wie es weitergehen soll. Wir könnten abfallen Richtung Rostock oder Gedser ansteuern um dort eventuell eine Ruhige Nacht zu verbringen. So wird’s gemacht. Gedser liegt an. Vorbei an dem riesigen Windpark geht’s immer noch gegen die See entlang der dänischen Küste.

IMG_3450

14:30 Uhr Gedser

Wir liegen im Sportboothafen von Gedser. Der Hafen ist wie ausgestorben. Lediglich ein Arbeitsboot ist unterwegs um die Poller der Liegeboxen zu erneuern. Der Hafenmeister begrüßt uns freundlich und teilt uns mit, das die Toiletten und Duschen im Sportboothafen noch außer Betrieb wären. Im Fischereihafen wäre aber Ersatz. Strom bekommen wir und das Liegegeld von 5 € für diese Nacht zahlen wir gerne. Ein kleiner Spaziergang zum Fischereihafen tut gut und so können gleich alle Dringlichkeiten mit erledigt werden. Zurück an Bord gibt’s erstmal ne Dose Suppe und den ersten Kaffee an diesem Tag.

IMG_3451

17:00 Uhr Die X-Trip läuft ein.

Während wir noch am Klönen und Kaffeeschlürfen sind, kommt Bewegung in den Hafen. Hinter uns legt ein weiteres Segelboot an. Ich schenke diesem nicht sonderlich viel Bedeutung, weil es ja durchaus möglich ist, dass auch andere bei diesem Wetter und Temperaturen um den Gefrierpunkt unterwegs sind.

17:30 Uhr Micha und Loupi von der X-Trip

Ich sitze gerade gemütlich in der Plicht, da kommt Micha um die Ecke. Erst nach den ersten Begrüssungssätzen wusste ich um wen es sich handelt. Ich habe sein Blog bereits gelesen. Micha ist mit seinem Hund Loupi und der Segelyacht X-Trip seit einigen Jahren unterwegs. Ich freue mich riesig, ihn persönlich kennenzulernen, doch in Gedser hätte ich am Wenigsten damit gerechnet. Loupi kommt auf Pfiff ebenfalls auf den Steg. Ein putziger, verspielter Bobtail. Man spürt sofort das besondere Verhältnis, welches die beiden über die Jahre zueinander aufgebaut haben. Einfach klasse. Ein Foto darf natürlich nicht fehlen.

IMG_3455

Treffen mit Micha und Loupi von der X-Trip

Wer die aufregende Reise der beiden mitverfolgen möchte, findet auf dem Blog von Micha, Loupi und der X-Trip tolle Berichte.

IMG_3452

18:00 Uhr Umdenken

Bereits beim Kaffee haben wir uns entschieden, die Nacht nicht im Hafen zu verbringen, sondern unseren Weg Richtung Altwarp noch heute fortzusetzen. Verabschiedung von Micha und Loupi, ein letzter Blick auf die X-Trip und schon geht’s raus aus dem Hafen. Und wieder steht eine Nacht auf See bevor. Mein Vater und ich wechseln uns am Steuer ab. Hauke zieht es vor sich etwas hinzulegen, da für Ihn die Nachtfahrten neu sind findet er nicht so schnell in den Rhythmus. Das ist aber völlig OK für uns. Wir genießen es.

20:30 Uhr Gegenan

Kurs Ost liegt an und wie soll es anders sein, Wind und Welle von vorn. Wir durchqueren die Kadetrinne Richtung Darß. In dieser Nacht ist ordentlich Verkehr und wir müssen mehrmals den Kurs wechseln. Die Nacht verläuft ansonsten ruhig.

IMG_3446

06:30 Uhr Sonnenaufgang über Hiddensee

Es ist schon eine besondere Stimmung. Die Sonne geht auf und die Natur erwacht. Schwäne kreuzen unseren Kurs und Nähe des Fahrwassers stehen die Möwen im Wasser und lassen sich von den ersten Sonnenstrahlen wärmen. Es regt sich etwas in der Salonkoje und ein paar Minuten später steht Hauke in der Tür. Ein leichtes Kopfschütteln verbunden mit den Worten „Wie macht Ihr das bloß“. Immerhin ist das die zweite Nacht, in der bei meinem Vater und mir an Schlaf nicht zu denken war.

9386d0018d43b5bfd14059478a3f3b85

09:30 Uhr Stralsund im Nebel

Wir laufen in Stralsund ein. Die nächste Brückenöffnung Richtung Greifswalder Bodden findet um 12:20 Uhr statt. Genug Zeit also um sich die Füße zu vertreten und zu frühstücken. Ja der zweite Morgen und das erste Frühstück. Dafür tischen wir aber ein ganz leckeres Buffet auf. Inklusive Aufbackbrötchen aus dem Omnia. Mein erster Brötchen Versuch mit dem schwedischen Backaufsatz. Die Brötchen waren absolute Spitze. Vom Spaziergang zurück, erwartet uns im Hafen der Nebel. Obwohl wir genau gegenüber der Hafeneinfahrt liegen, ist diese nur anhand der Umrisse zu erkennen.
Ein letztes Mal noch an Land um das notwendige zu erledigen. Im Ozeaneum lässt man uns freundlicher Weise die Toiletten benutzen. Hauke’s Sitzung beginnt mit den Worten: „Scheisse, kein Netz“ na wenn sonst alles läuft ist ja alles in Ordnung. Zurück an Bord geht’s dann auch schon los.

IMG_3466

 

12:00 Uhr Der erste Segler dieses Jahr

Trotz Nebel Legen wir um 12:00 Uhr ab um rechtzeitig an der Brücke zu sein. Sie öffnet wie geplant und wir werden freudig vom Brückenwärter empfangen “ Herzlich Willkommen, ihr seid der erste Segler in diesem Jahr“. Weiter geht’s durch den Strelasund. Mittlerweile ist die Sicht recht gut und so kommen wir zügig mit 5 Knoten unter Motor voran. An Segeln ist wieder einmal nicht zu denken. Die dauerhafte Ostwindlage ist wirklich nicht schön.

IMG_3469

14:00 Uhr Nebel

Kurz vor der Einfahrt in den Bodden zieht es sich so dermaßen zu, das wir umkehren und uns unter Land einen Ankerplatz suchen. Die Sicht beträgt kaum mehr als 30 Meter und so können wir die Zeit für einen kleinen Snack nutzen.
Eine gute Stunde später lichtet sich der Nebel und es kann weitergehen.

18:00 Uhr Einbruch der Nacht

In der Zwischenzeit habe ich ein wenig Schlaf nachgeholt. Wir befinden uns etwa 2 Seemeilen vor Ruden. Ich übernehme wieder das Ruder und steuere in die Nacht.

19:30 Uhr Irrfahrt

Mittlerweile ist es stockfinster. Wir befinden uns im Fahrwasser zwischen der Insel Ruden und Peenemünde. Es zieht sich wieder zu. Nebel. Das Blinken der Tonnen welches eben noch zu sehen war, ist ganz verschwunden. Ein Wechsel auf den Aussensteuerstand ändert auch nicht viel daran. Mit dem Tablett in der einen Hand und dem Steuer in der anderen manövrieren wir uns durch die Nacht. Einmal nicht aufgepasst und schon drehen wir eine Extrarunde um eine Tonne. Nicht ganz so toll, da sich neben dem Fahrwasser häufig Stellnetze befinden. Nach einer guten Dreiviertelstunde klart es wieder auf und wir nehmen weiter Kurs auf Peenemünde.

22:30 Uhr Wolgast

Wir machen an den Dalben etwa 200 Meter vor der Brücke fest. Heute ist dann definitiv die erste Nacht wo jeder von uns durchschlafen kann. Würden wir nicht noch bis 01:30 Uhr sitzen und klönen, könnten wir sogar noch zwei Stunden länger schlafen. Um 5:00 klingelt der Wecker, da wir uns die erste Brückenöffnung vorgenommen haben. Gute Nacht.

IMG_3457

06:00 Uhr Auf zur nächsten Brücke

Von Wolgast führt unser Weg weiter entlang der Peene. In Höhe Achterwasser komme ich auf die glorreiche Idee, ich könne ja ein wenig Abkürzen und so steuere ich das Boot vom Fahrwasser ab um ein wenig Zeit gut zu machen, denn um 09:40 Uhr wird die Brücke in Zecherin öffnen und wir müssen 10 Minuten vorher dort sein. Wie sagt man noch so schön.

„Der längste Weg ist immer die unbekannte Abkürzung“.

Leider bewahrheitet sich dieser Spruch genau 10 Minuten nach Verlassen des Fahrwassers. Es gibt einen kurzen Ruck und schon bewegt sich nichts mehr. „Mist, wir sitzen auf Dreck“, war mein erster Gedanke. Der zweite Blick sagt jedoch was anderes. Die Wassertiefe von 3,50 Meter schließt das Erste aus. Dummerweise hängen wir nun an einem Stellnetz. Wenn man es mal eilig hat … Nach einigen Ruderbewegungen und vorsichtigem Gasgeben gelingt es uns, uns zu befreien. Aber immerhin kostet diese Aktion rund 15 Minuten. Na dann mal los. Zecherin wartet nicht auf uns. In meinem Törnbericht vom 12. Juni letzten Jahres, könnt Ihr über Zecherin ein wenig nachlesen. Es ist nicht immer einfach dort.

09:40 Uhr Die letzte Etappe

Wir erreichen die Brücke pünktlich und kommen ohne Probleme durch. Weiter geht’s, an Kamp vorbei, aufs Stettiner Haff. Wind und Welle, wie soll es anders sein, genau aus Ost.

15:00 Einlaufen in Altwarp

Wir biegen mit langsamer Geschwindigkeit in den Hafen ein. Wir entscheiden uns, vorerst an der Westpier festzumachen, da wir ja noch einige Sachen auszuladen haben. Beim Aufstoppen dann ein kräftiges Klöstern. „Was war das denn“ und das ca. 5 Meter vor der Pier. Hauke springt mit Fender bewaffnet aufs Verdeck um uns im ungünstigsten Fall abzubremsen. Ich folge Ihm. Mein Vater versucht erneut vorsichtig aufzusteppen. diesmal gelingt es und wir können sanft an der Pier festmachen. Der erste Blick auf das Ruder bringt dann den Übeltäter zum Vorschein. hatten wir doch die ganze Zeit ein Stück Tampen vom Fischernetz hinterher gezogen. Erst beim Aufstoppen geriet es in die Gegenrichtung. Zum Glück wickelte es sich unterwegs nicht um die Schraube. Ein leises Aufatmen.

IMG_3471

Bei einem Dönerteller lassen wir den Törn in Pasewalk ausklingen.

Es war wieder mal ein sehr schöner Törn. Leider immer den Wind aus der verkehrten Richtung, aber das Treffen mit Micha und Loupi von der X-Trip und die schönen Momente während der Nächte und der Sonnenaufgänge entschädigen dafür umso mehr.

 

 

Ueberwintern im Wasser bei Schnee und Eis

Supra

Für viele Segler ist das Ueberwintern im Wasser bei Schnee und Eis ein Dorn im Auge. Winterstürme, Eisschollen und die regelmässige Kontrolle des Bootes stellen jeden, der sich über dieses Situation Gedanken macht, vor kleine Herausforderungen. Ich bin am Ende der letzten Saison diesen Schritt gegangen, weil ich bei allen, teils auch mit Sorge gefüllten Gedanken, dennoch einige Vorteile für mich gesehen habe.

Einige für mich relevante Vorteile möchte ich kurz erläutern

Finkenwerder – Kiel … Motorprobleme

Finkenwerder – Kiel … Motorprobleme – Die Fortsetzung des 1. Teils

Düstere Aussichten

Düstere Aussichten

Mehrere Versuche, den Motor wieder in Gang zu bekommen, scheiterten kläglich. „Erst einmal Ruhe bewahren“, dachte ich mir. Nach Feststellung der Gesamtsituation blieben uns aber nicht mehr viele Auswahlmöglichkeiten.

Mittlerweile lagen wir quer zur See. Das war zwar nicht angenehm, auf der anderen Seite merkte man recht schnell, dass das Boot eine Menge abkann. Die Wellen schaukelten uns wuchtig von einer Seite auf die andere. Da wir vermuteten, dass uns die Strömung Richtung Land treiben würde, liessen wir wieder mal den Anker raus.
Leider ist das Gegenteil eingetroffen. Die Strömung trieb uns Richtung Süd – West. Zu allem Übel, direkt auf einen grossen Tanker zu, der dort vor Reede auf die Schleusung wartete.

Finkenwerder – Kiel

Am 19. November war es dann so weit. Der Zeitpunkt der Überführung von Finkenwerder aus startend, ist gekommen.

Um 20 Uhr trafen mein Vater und ich in Finkenwerder ein. Das Boot lag zu diesem Zeitpunkt im Rüschkanal in ganz hinterer Ecke. Die ersten Worte meines Vater lauteten :
„Mensch, das ist aber groß“.
Ich schaute zu „Lilo“ hinunter und betrachtete sie. Der Anblick war schon sehr vertraut, trotz dessen, dass ich ja erst zweimal, während der Bootsübernahme, bei ihr war. Das Gefühl war einfach großartig.