Eine Reise wert … Altwarp – Wolin – Dievenow

Samstag 18. Juli 2015

Morgens 5 Uhr …

Der erste Fischer hat gerade abgelegt um seinen Fang einzuholen. Ansonsten befindet sich Altwarp noch im Tiefschlaf. Während ich mir meinen ersten Kaffee mache bekomme ich noch morgendlichen Besuch von einer Entenfamilie. Ein wenig Brot habe ich auch noch über.

Während mein Kaffee auf Trinktemperatur herunter kühlt, löse ich die Leinen. Der Motor wird gestartet und los geht’s. Dem Sonnenaufgang entgegen geht’s über das Haff Richtung Osten. Vor mir die aufgehende Sonne, hinter mir … Na da braut sich doch was zusammen.

Sonnenaufgang

Sonnenaufgang

Fischer von Altwarp

Fischer von Altwarp

Auf Höhe des Fahrwassers der Kaiserfahrt erwischt es mich dann. Über mich hinweg zieht ein mächtiges Gewitter … Na Prima … Kaum los und ich werde schon nass.

Naja was solls . Nach gut einer halben Stunde verzieht sich das Gewitter Richtung Südost. Und der Himmel reißt auf. Die nassen Klamotten an die Reeling gehängt und kurze Hose an. Jetzt kann der Törn genossen werden.

Anfahrt Wolin

Anfahrt Wolin

Anfahrt Wolin

Anfahrt Wolin

Das Fahrwasser nach Wolin wird in den Seekarten als stark verkrautet beschrieben. Ich habe davon nichts gesehen. Und so bahne ich mir in aller Ruhe den Weg hinein in die Dziwna. Den Verbindungsarm zwischen östlichem Stettiner Haff und der Ostsee. Landschaftlich sehr zu empfehlen.

Hafen Wolin

Hafen Wolin

Gegen 9:30 Uhr komme ich in Wolin an. Da der Hafen ziemlich voll ist und die Brückenöffnung um 10 Uhr erfolgen soll, tucker ich gemütlich Richtung Brücke. Dann wird mir auch klar, warum der Hafen so voll ist. Eines der Schiffe gibt ein lautes Signal aus seinem Horn und im 20 Sekundentakt legen 25 Boote hintereinander ab. Nun ist der Bereich in dem ich mich befinde mit Segelbooten jeder Größe übersät. Allesamt unter schwedischer Flagge. Wow ! Kurzer Smalltalk von Boot zu Boot. Es ist ein Gemeinschaftsausflug. Also in Altwarp hätten die alle zusammen keinen Platz gefunden. Ein tolles Schauspiel.

Ein Teil der Schweden

Ein Teil der Schweden

Hafen Wolin 2

10 Uhr Die Drehbrücke öffnet pünktlich. Das das nicht immer so ist werde ich auf der Rückreise noch erfahren sollen. Auf die Drehbrücke folgen noch zwei weitere Brücken. Diese öffnen sich jedoch nicht und haben eine Durchfahrtshöhe von 12,4 und 12,5 Metern. Wer nicht genau weiß, wie hoch seine Aufbauten sind, sollte dies vorher nochmal überprüfen. Ich hatte es getan.

Meine Masthöhe bis Oberdeck beträgt 10 Meter. Die UKW Antenne erhöht das Ganze um 50 cm. Da ich eine relativ geringe Freibordhöhe habe, habe ich hier mit ca. 1,30 Meter zusätzlich gerechnet. Müsste also knapp hinhauen.

Brücken Wolin 2

 

Knapp

Die Anfahrt auf die erste Brücke gibt mir ein leichtes Kribbeln im Bauch. Je mehr ich mich der Brücke näher, desto größer werden die Zweifel, dass es passen könnte. Ein kleines Video während der Durchfahrt findet Ihr hier

Erleichtert darüber, dass mein Mast noch steht, schaffe ich jetzt auch die zweite Brücke. Die Stromleitungen nach den beiden Brücken stellen kein großes Problem dar. Hier ist auf jeden Fall genug Luft nach oben.

Fazit : Für jeden, der diese schöne Strecke besegeln möchte ein Tip … vorher nochmal nachmessen, dann kann nichts schief gehen. Für diejenigen, die trotzdem diese Passage fahren wollen, aber den Mast dafür kurzzeitig legen müssen … Es ist genug Platz im Hafen um dies in Ruhe durchführen zu können.

Natur 1

Weiter geht es für mich vorbei an Laska, Darzowice, Kukulowo, Polchowo und Zolcino durch eine landschaftlich sehr reizvolle Gegend Richtung Dievenow. Das Wetter hat sich mittlerweile gebessert und der Wind lässt es zu, auf Teilstrecken auch zu segeln.

Natur 2

Eine kleine Stelle in Höhe Lojszyno lässt mich nochmal zusammen zucken. Hier geht das Fahrwasser um eine Linkskurve. Vor der Kurve liegt die Durchschnittstiefe bei etwa 2,2 Metern. In dieser Kurve befindet sich ein ca. 100 Meter langer Abschnitt, in dem die Tiefe auf etwa 1,40 Meter abfällt. Außerdem sind hier Krautfelder deutlich an der Wasseroberfläche zu erkennen. Mit meinen 1,20 Meter Tiefgang ist das schon ein Zitterpartie. Ein kleiner Aufsetzer zwischendurch und ich hab’s geschafft.

Enge mit Kraut

 

Marina Polen

Gegen 13:30 Uhr erreiche ich Dievenow. Heute findet hier ein Stadtfest, inklusive einer Regatta innerhalb des Hafens, statt. Alles was auf’s Wasser kann, befindet sich auch hier.  Ich suche mir meinen Weg zwischen den Booten, um rechtzeitig zur Brückenöffnung um 14 Uhr vor Ort zu sein. Klappt auch alles problemlos.

Klappbrücke Dievenow

Klappbrücke Dievenow

Gänse

Regatta Dievenow

Vorbei an der Marina geht’s durch die Hafenausfahrt Richtung Ostsee. Mein Plan für diesen Tag nach Swinemünde zu segeln zerschlägt sich nach kurzer Zeit. In der Einfahrt kommt mir eine kräftige Dünung entgegen und da ich nicht unbedingt gegen kräftige Welle bis nach Swinemünde fahren möchte, beschließe ich, kehrt zu machen um den Weg zurück zu nehmen, auf dem ich auch gekommen bin . Auf jeden Fall eine Entscheidung gegen unnötiges Nass werden. Um 19:30 Uhr passiere ich die beiden Brücken von Wolin nun aus der Gegenrichtung und lege vor der Drehbrücke an. Nach einer Schüssel Erbsensuppe und einem letzten Kaffee geht’s für mich in die Koje. Es war ein toller Tag, der mich aber ganz schön geschlaucht hat. Hier ein paar Bilder der Rückfahrt.

Ich Segeln nah

Krautfelder im Fahrwasser

Krautfelder in Fahrwassernähe

Vögel

Natur 3

Wolin Ferne

Wolin 3 Bilder

Sonntag 19. Juli 2015

Stromausfall

Ich wache gegen 8 Uhr auf. Es ist warm, die Sonne scheint und die polnischen Piernachbarn Frühstücken so laut, dass es der ganze Hafen hört.

Zeit für den ersten Kaffee. Um 10 Uhr öffnet die Drehbrücke, da bleibt noch Zeit für einen kleinen Spaziergang. Im Hafen herrscht reges Treiben. Überall wird gewuselt. Alles ist in Aufbruchstimmung.

Liegeplatz Wolin

Um viertel vor zehn lege ich gemeinsam mit meinen Nachbarn ab um die Brücke zu passieren. Doch um fünf nach zehn passiert immer noch nichts. Der Brückenwärter ruft alle Boote wieder zurück zur Pier. Stromausfall in ganz Wolin. Nichts geht mehr. Tja, dass wird dann wohl ein langer Tag. Immerhin brauche ich von hier nach Altwarp gut 5 Stunden. Also erstmal ganz in Ruhe den Tag beginnen. Ein bisschen Musik, ein wenig lesen und der nächste Kaffee.

Liegeplatz Wolin 2

 

Fischer Wolin Möwen

Um viertel vor zwölf dann die Nachricht. Die Brücke geht wieder auf. Außerplanmäßig öffnet der Brückenwärter und alle Boot legen schlagartig ab. Mittlerweile sind es ein paar Schiffe mehr geworden, so dass das Gedränge an der Brücke etwas größer ausfällt. Auf geht’s Richtung Haff. Mal mit mehr Wind, mal mit weniger. Auf dem Haff frischt der Wind dann auf. Anfangs noch unter Vollzeug mit perfekten 4 Bft. aus Südost, muss ich nun auf Höhe der Kaiserfahrt das Großsegel wegnehmen und unter   Genua mit kräftigem, achterlichem Wind und ordentlicher Welle von hinten, Richtung Altwarp trudeln. Zu guter Letzt kommt dann auch noch, wie soll es anders sein, Regen dazu. Hatte ich ja lange nicht mehr …

In Höhe der ersten Ansteuerungstonne nach Altwarp dreht der Wind auf Nord Ost. Für das Anlaufen nach Altwarp nicht besonders günstig, da sich im Hafen eine ungemütliche Welle aufbaut.

17 Uhr.

Ich lege mit ablandigem Wind und ein wenig Schaukelei in meiner Box in Altwarp an. Nass, wie so oft, aber zufrieden nach einem tollen Törn.

 

 

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