Finkenwerder – Kiel … Motorprobleme

Finkenwerder – Kiel … Motorprobleme – Die Fortsetzung des 1. Teils

Düstere Aussichten

Düstere Aussichten

Mehrere Versuche, den Motor wieder in Gang zu bekommen, scheiterten kläglich. „Erst einmal Ruhe bewahren“, dachte ich mir. Nach Feststellung der Gesamtsituation blieben uns aber nicht mehr viele Auswahlmöglichkeiten.

Mittlerweile lagen wir quer zur See. Das war zwar nicht angenehm, auf der anderen Seite merkte man recht schnell, dass das Boot eine Menge abkann. Die Wellen schaukelten uns wuchtig von einer Seite auf die andere. Da wir vermuteten, dass uns die Strömung Richtung Land treiben würde, liessen wir wieder mal den Anker raus.
Leider ist das Gegenteil eingetroffen. Die Strömung trieb uns Richtung Süd – West. Zu allem Übel, direkt auf einen grossen Tanker zu, der dort vor Reede auf die Schleusung wartete.

Über Funk bat ich dann die Schleuse um Rat. Diese kümmerte sich nun darum, dass das Boot der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger aus Brunsbüttel alarmiert wurde. Die Zeit Verging und es passierte nichts. In einer Stresssituation kommen einem die Minuten wie Stunden vor. Das Boot schaukelte auf den mannshohen Wellen vor sich hin. Das machte uns nicht so sehr zu schaffen, aber die Tatsache, das wir immer weiter in Richtung Tanker trieben, beunruhigte uns doch sehr. Wenn die Strömungsrichtung hält, würden wir direkt auf die Ruderanlage des Schiffes krachen.

Ich funkte nochmals die Schleuse an, ob es schon Sicherheit gäbe, über das Eintreffen des Seenotbootes, da wir nur noch ca. 150 meter vom Tanker entfernt wären.
Die Antwort hat mich fast umgehauen. Aus dem Funk kam wortwörtlich :

„Das Boot der DGzRS ist unterwegs. Halten Sie doch einfach Fender bereit, um sie zwischen Ihnen und den Tanker zu platzieren, sollten sie zu nahe rankommen.“
Wenn ich in diesem Moment nicht das Boot der DGzRS gesehen hätte, wäre mir wahrscheinlich der Kragen geplatzt. Immerhin lagen wir quer zur See und der Tanker ankerte zur See hin. Das Gelingen dieser Idee wäre also relativ aussichtslos gewesen.

Ungefähr 50 Meter vor dem Tanker, ein letzter Versuch. Ich legte den Rückwärtsgang ein und versuchte erneut, mit ein bisschen mehr Gas, den Motor zu starten. Ein letztes Mal heulte er auf und brachte uns für den Moment in eine bessere Position. Das Boot der DGzRS näherte sich bereits von Steuerbord, um direkt eingreifen zu können. Ein sehr gutes Gefühl.
Wenige Sekunden später viel der Motor erneut aus.

Jetzt ging es darum. die Schleppleine zu übernehmen. Bei einer solchen Welle gar nicht so einfach. Nach zwei Anläufen war es gelungen. Ein erstes Aufatmen. Mit Ihrem kräftigen Boot zog uns die DGzRS ,ca. 600 Meter, in den Bereich der vorderen Schleuse. So weit rechts, bis wir auf Dreck sassen. nun konnten Sie längsseits gehen, so dass wir den Anker, der immer noch draussen hing, bergen konnten.
Nun in Sicherheit, viel uns ein grosser Klotz von der Brust. Bei einem Kaffe für alle Beteiligten warteten wir nun auf die Schleusung in den Kanal.

„Ein Großes Dankeschön an die Leute der deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger ! Ihr macht einen absolut professionellen Job da draussen und an diesem Tage haben wir euch gebraucht wie keinen anderen !“

Ein besonders Grosses Dankeschön geht an die Besatzung der Gilles Gullbransson !

Hinter der Schleuse ging es für uns dann an einen stillgelegten Steg wo wir sicher und fest dort lagen, wo wir eigentlich schon am Morgen hätten sein wollen. Relativ schnell stellte sich dann die Ruhe ein und Gedanken konnten kreisen, was an diesem Tag alles passiert ist und was hätte passieren können.

Fazit :

Sollte so eine Situation noch einmal oder auch in anderer Form vorkommen, mit dem Wissen, dass man im Vorfeld schon Probleme hatte, dann würde ich keine Anfragen stellen wie :

„Wäre es möglich, in den Schleusenbereich zu fahren ?“

sondern würde, nach Einschätzung der Möglichkeiten, demjenigen am Funk gegenüber mitteilen :

„Ich informiere Sie darüber, dass wir in den Schleusenbereich einfahren und an einem der Schlepper ( oder wo auch immer ) festmachen, um unsere Motorprobleme zu prüfen und um Mensch und Material nicht zu gefährden.“

Wir haben aus dieser Sache gelernt und werden in Zukunft sicher unsere Schlüsse daraus ziehen.

Die Motorprobleme

Sie waren relativ schnell behoben. Durch einen waagerecht liegenden Pumpball in der Spritleitung hat der Motor angefangen Luft zu saugen. Dies führte unweigerlich zum Ausfall. Wir behoben das Problem und konnten so, am Samstag Morgen gegen halb sieben, den Weg durch den Nord – Ostsee – Kanal einschlagen.

Auf Grund der Geschwindigkeit von 4,5 Knoten war relativ schnell klar, dass die Strecke bis Holtenau nicht an einem Stück zu schaffen war. Die Winterzeit macht einen Strich durch die Rechnung. Die Fahrt durch den Kanal verlief ohne weitere Motorprobleme. So kam es, dass wir pünktlich zu Sonnenuntergang in den Flemhuder See einliefen. An den Dalben festgemacht, verbrachten wir hier einen ruhigen Abend bei Pasta aus der Tüte und „Jacky Cola“ aus der Dose.

FullSizeRender

Abendidylle

Die Nacht verlief ruhig, bis ich des Nachts einem Bedürfnis nachkommen musste. Ich öffnete die Tür vom Deckshaus. Es war kälter als die Nächte zuvor. Ein Schritt nach draussen und mich haute es fast auf den Rücken. Eine Eisschicht überzog die Plicht. Leichtes Schneegrieseln verriet, der Winter ist eingetroffen. Na dann „Herzlich willkommen !“.

Am Morgen ging es dann bei Schneegestöber weiter Richtung Schleuse Holtenau. Die Anmeldung verlief problemlos und nach gut einer Stunde Wartezeit konnten wir einfahren. Auf Grund des starken Windes aus Nord-Ost verlief das Schleusenmanöver ein wenig holperig aber dennoch zufriedenstellend. Eigentlich war die Planung, dass wir an diesem Tag noch rüber Nach Laboe fahren wollten um den Mast für „Lilo“ abzuholen. Das haben wir uns aber verkniffen und
auf einen ruhigeren Tag verlegt.

Besuch an Bord

Besuch an Bord

Gegen Mittag durchfuhren wir die Hörnbrücke, kurz hinter dem Norwegen – Kai, um an den vorübergehenden Liegeplatz zu gelangen. Hier am „Willy-Brandt-Ufer“, nahe des Museumshafens Kiel, wird das Boot nun soweit seetüchtig gemacht, um bei einem entsprechenden Wetterfenster die Überführung nach Altwarp ins Stettiner Haff durchführen zu können.

Am Ziel

Am Ziel

Mein größter Dank gilt meinen Eltern ! Sie unterstützen mich in meinen verrückten Vorhaben wo sie können. Mein Vater ist immer mit dabei wenn es heisst : „Ich hätte da mal ne Überführung, kommst Du mit ?“ Und meiner Mutter, weil sie zu Hause in Kiel immer mit der Karte mitfiebert, oder in Mittenwalde die Hunde hütet. Vielen Vielen Dank für Alles !

 

Wir freuen uns auf den nächsten Törn

Die Crew

Micha (38)                                                   Ecki (74)

 

No Comments

Leave a Comment

Please be polite. We appreciate that.
Your email address will not be published and required fields are marked