Finkenwerder – Kiel

Am 19. November war es dann so weit. Der Zeitpunkt der Überführung von Finkenwerder aus startend, ist gekommen.

Um 20 Uhr trafen mein Vater und ich in Finkenwerder ein. Das Boot lag zu diesem Zeitpunkt im Rüschkanal in ganz hinterer Ecke. Die ersten Worte meines Vater lauteten :
„Mensch, das ist aber groß“.
Ich schaute zu „Lilo“ hinunter und betrachtete sie. Der Anblick war schon sehr vertraut, trotz dessen, dass ich ja erst zweimal, während der Bootsübernahme, bei ihr war. Das Gefühl war einfach großartig.

 

Wir beluden das Boot mit den Dingen, die wir für die Fahrt benötigten. Wie immer bei unseren Touren, viel zu viel zum Essen, ausreichend Kaffee, ein paar warme Klamotten, Ölzeug und eine transportable Petroleumheizung, die ich kurz vorher noch bei Niemeyer besorgt hatte. Dazu ausreichend Petroleum um wahrscheinlich mehrere Wochen in Eis und Schnee verbringen zu können. Letzteres sollten wir während dieser Fahrt noch erleben können. Da „Lilo“ zu diesem Zeitpunkt nur eine Koje hatte, hatten wir noch eine Matratze dabei auf der ich es mir dann gemütlich machen konnte. Meinem Vater überlies ich die Koje.

um 23 Uhr zu Hochwasser planten wir abzulegen. Wir überzeugten uns noch einmal von der Funktionsfähigkeit des Motors und überprüften die Beleuchtung. Da die Strominstallation der „Lilo“ sehr spärlich war, hatte ich einen Behelfsmast mit entsprechenden Positionslichtern schon im Vorfeld vorbereitet. Alles war bereit für den Start. Eine Bockwurst noch an der Tankstelle und dann ging es los.

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Mit meinem Vater am Steuer und mir vorne auf dem Oberdeck tasteten wir uns langsam durch den engen Hafen. Die Größe des Bootes, in Verbindung mit der vorhandenen Hydrauliksteuerung war zu Beginn noch etwas ungewohnt. Als wir dann aus dem Hafen nach links auf die Elbe fuhren, war die erste Anspannung vorbei. Die Sichtverhältnisse waren gut und per Tablet lies es sich gut navigieren. Der Schiffsverkehr hielt sich an diesem Abend in Grenzen.

Wir liessen Finkenwerder hinter uns

Von Finkenwerder nach Brunsbüttel sind es ca. 35 Seemeilen. Gerechnet haben wir mit einer ungefähren Durchschnittsgeschwindigkeit von 4 – 5 Knoten. Das war nicht einmal mal zu optimistisch. „Lilo“ lief unter niedriger Drehzahl 4,5 Knoten. Das reichte uns vollkommen. Man soll den Motor ja auch nicht überlasten und so ging es mit dem ersten Kaffe dieser Nacht gemütlich die Elbe hinunter. Alles verlief problemlos. Motortemperatur blieb konstant und das Boot lag gut in den Wellen. Diese nahmen, je weiter wir fuhren, immer mehr zu. In Höhe Stade, nach ca. 14 Seemeilen, dann der Schreck.

Erste Probleme

Der Motor ging aus und lies sich, auch mit guter Zurede, nicht mehr starten. Mittlerweile hatten wir wieder ablaufendes Wasser. Da für Freitag Winde Aus Nordwest von 5-6 Bft. angesagt waren, wollten wir eigentlich bis zum Morgen in Brunsbüttel vor der Schleuse liegen um der Ungemütlichkeit zu entgehen. Jetzt trieben wir hier, ohne Motor. Glücklicher Weise trieb uns die Strömung aus dem Fahrwasser wo wir dann, bevor wir auf Dreck laufen würden, den Anker schmissen.

Nun war guter Rat teuer. Wir sind beides keine Mechaniker, hatten aber an Werkzeug alles dabei was wir brauchten. Systematisch gingen wir durch, was das Problem sein könnte. Die Spritversorgnug war der erste Gedanke. Der Tagestank war aufgefüllt, hieran lag es also nicht. Auch der Dieselfilter war voll. Nur an den Einspritzdüsen kam kein Sprit an. Wir hatten sie zur Kontrolle gelöst um zu sehen ob die Einspritzpumpe arbeitet. Die Pumpe auszubauen wäre wahrscheinlich ein fataler Fehler gewesen. Die hätten wir bestimmt nicht wieder zusammenbekommen. Nach vielen Versuchen und ungefähr 3,5 Stunden später, entlüfteten wir zum letzten Mal das System und wie aus dem Nichts, sprang der Motor an und lief als wenn nichts gewesen wäre.

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Brunsbüttel in Sicht

Mittlerweile hatten wir dann eine Tide verpasst und so kam es, wie es kommen musste. Wir liefen gegen Mittag mit ablaufendem Wasser und ca. 6 Windstärken gegen an, auf Brunsbüttel zu. Mittlerweile hatte sich eine wirklich unangenehm kurze, steile Welle aufgebaut. „Lilo“ meisterte das alles hervorragend. Es kam nicht ein Spritzer Wasser über den Bug. Geschaukelt hat es aber tüchtig und auf Grund der Motorprobleme in der Nacht, wollten wir nur noch in den Kanal. Die Ernüchterung kam dann über Funk. Wie gewohnt meldete ich uns bei der Schleuse Brunsbüttel an. Diese aber war nicht bereit uns einfahren zu lassen, da an diesem Tage die rechte Kammer einer Wartung unterzogen wurde und die linke Kammer mit der Berufsschifffahrt ausgelastet war.

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Wir sollten uns Höhe Mole 1 im Aufenthaltsbereich für Sportboote bereithalten. Wir sprachen über Funk unsere Motorprobleme an und die Befürchtung, dass dieser wieder ausfallen könnte. Man riet uns : „Sie können ja in den alten Hafen von Brunsbüttel fahren. Die Einfahrt läge nicht weit von uns in Höhe der Mole 4“. OK dachten wir, dass klingt prima. Als wir in Höhe Mole 4 waren, war klar, die Ebbe war schon so weit, dass wir in der Einfahrt unweigerlich auf Dreck gesessen hätten. Sehr witzig, dachte ich mir und verfluchte den Typen am Funk.

Also warteten wir die Wellentäler ab und kehrten im richtigen Moment um. Jetzt fuhren wir, zwar mit Rückenwind, gegen die Ebbe. 1,8 Knoten auf der Logge. Das war wirklich nicht gerade ein Geschwindigkeitsrausch, aber brachte uns zumindest in die richtige Richtung. Dazu die Welle von achtern. Und wie das Schicksal so wollte, 10 Minuten später fiel der Motor wieder aus.

Was in den nächsten 2 Stunden geschah, raubte uns jede Menge Kraft.

Wie wir aus dieser unglücklichen Situation heraus gekommen sind ?

Das erfährst Du morgen im 2. Teil

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