Flaute, Hitze und Gewitter – Wie aus Bornholm, Rügen wurde

3. Juli 2015

Ankunft und Ablegen 

Als ich am Freitag in Altwarp eintraf,  stand Joachim, mein Mitsegler für dieses Wochenende, bereits mit Sack und Pack an der Pier.

Da wir ja zeitig losfahren wollten, luden wir unser Wochenendgepäck inklusive ausreichend Essen und einer ordentlichen Menge an Flüssigkeit, direkt an Bord und bereiteten alles für’s Ablegen vor.

Ein kurzer Plausch noch mit dem Hafenmeister und schon ging es los. Zeitspanne von Beginn Einladen bis Start Ablegen, 15 Minuten … Verstauen konnten wir ja auf dem Wasser noch erledigen  …

Richtung Kaiserfahrt

Tonnensuche

Tonnensuche

Mit leichtem Wind aus Süd-Ost, ging es dann vorerst unter Motor, später dann unter Vollzeug mit 4 Knoten Richtung Kaiserfahrt ( Durchfahrt zur Ostsee zwischen den Inseln Usedom und Wollin ). Wir waren nicht die Einzigen, die das schöne Wochenende auf dem Wasser genießen wollten. Mit uns fuhren zur gleichen Zeit etwa 10 weitere Boote in den Kanal. Zusammen mit der Berufsschifffahrt war es dann zeitweise schon recht „gemütlich“.Man könnte auch „eng“ sagen. Da wir mit unserem Boot aber sowieso nicht die schnellsten sind, reihten wir uns nach und nach an letzter Stelle ein.

Swinemünde und die Planänderung 

Leuchtturm von Swinemünde

Leuchtturm von Swinemünde

Gegen 20 Uhr passierten wir dann Swinemünde. Alle anderen Segler hatten die Nacht im Hafen geplant, wir aber wollten ja durch die Nacht nach Bornholm. Aber wie es meist so ist, wenn man sich etwas vorgenommen hat, geschieht es dann doch ganz anders.

Wir waren ungefähr 6 Seemeilen vor der Küste, auf richtigem Kurs und wie auch vorhergesagt mit Wind aus Süd-Ost in Stärke 4. Klasse !! So konnte es weitergehen. Mit Wind von schräg achtern, machten wir immerhin 5,5 Knoten.

Herrliches Segeln

Herrliches Segeln

Aber dann. Der Wind drehte auf Nord, und keine 20 Minuten später war gar kein Wind mehr da. Dafür aber eine schöne Dünung aus Ost. Also trieben wir so dahin und überlegten, wie es weiter gehen sollte. In der Zwischenzeit hatten wir dann noch einen super Ausblick auf den noch fast vollen, aufgehenden Mond. Eine kleine Entschädigung. In der Zwischenzeit fiel dann die Entscheidung. Kursänderung Richtung Sassnitz auf Rügen. Wenn schon nicht Bornholm, dann wenigstens Kreidefelsen. Also Motor an und von einer angenehmen Welle gewogen, fuhren wir durch die Nacht. Da dies für mich die schönste Tageszeit auf See ist, störte es mich auch nicht, das sich Joachim gegen 1 Uhr in die Koje verzog. So konnte ich das Ganze für mich alleine genießen.

Sonnenuntergang

Sonnenuntergang

Der Mond gegen 4 Uhr in der Früh

Der Mond gegen 4 Uhr in der Früh

Sonnenaufgang

Sonnenaufgang

Die Kreidefelsen von Rügen

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Samstag früh, gegen 8 Uhr, waren es dann nur noch 10 Seemeilen bis Sassnitz. Ich habe wohl ein wenig getrödelt in der Nacht. Joachim kam gegen 9 so langsam zu sich. Um 10 viel dann der Anker, außerhalb des Naturschutzgebietes direkt vor dem Königsstuhl. Recht früh waren die ersten Ausflugsdampfer zur Fotosession vor Ort. Allerdings schauten die Leute an Bord auf die Felsen, statt auf uns 😉 So konnten wir immerhin unser Frühstück vor einer tollen Kulisse genießen und in Ruhe auf den Wind warten. Es herrschte immer noch Flaute, dafür wurde es aber immer heißer. Für uns aber genau richtig. Ordentlich Sonnencreme auf den Buckel und alles ist gut.

Der Königsstuhl

Der Königsstuhl

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Reger Verkehr am Morgen

An Baden war leider nicht zu denken, denn das Wasser war so was von grün von der Algenblüte, dass wir danach mit Sicherheit eine Dusche benötigt hätten.

Die Algen waren auch noch für ein anderes Phänomen verantwortlich. Beim Ablegen Richtung Peenemünde sollte die Wassertiefe eigentlich ca. 15 Meter betragen. Das Echolot zeigte aber zwischen 1,5 und 9 Meter alles an. Störte uns aber nicht weiter, laut Seekarte waren wir im sicheren Bereich.

Gegen 13 Uhr verließen wir bei Flaute die Kreidefelsen Richtung Süden. Zeit für mich, mich ein wenig auf die Seite zu drehen. Unter Deck war es auch, dank der Isolierung, relativ gut auszuhalten. Nach zwei Stunden dann ein freudiger Ruf aus der Plicht.

Endlich Segeln 

Wind !! Wie, Wind ? Mit dem hatte ich am wenigsten gerechnet. Und dann zu unserem Erstaunen, auch noch aus der Richtigen Richtung. Süd-Ost war angesagt. In Höhe Sellin haben wir dann Segel gesetzt. 4 Windstärken. Herrlich! Endlich segeln! Mit 5 Knoten über Grund überquerten wir dann den äußeren Bereich des Greifswalder Bodden.Vorbei an Thiessow, dem südöstlichstem Zipfel der Insel Rügen. Außer uns und ein paar Anglern war niemand unterwegs. Das Warten hat sich also gelohnt. An Backbord Seite in der Ferne die Greifswalder Oie und Steuerbord voraus die Insel Ruden. Als wir in das Fahrwasser Richtung Peenemündung einbogen, ging es dann hart am Wind ( so hart es halt ging ) weiter. Hinter uns der Sonnenuntergang und vor uns noch vereinzelt ein paar Segler die den selben Weg wie wir eingeschlagen hatten. Etwa 2 Seemeilen südlich von Ruden schlief dann der Wind wieder ein und wir folgten unter Motor dem Verlauf der Peene bis kurz vor Wolgast.

Anker Raus und ab in die Koje. Das Segeln heute war eine echte Abwechslung an diesem Tag. Super !!

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Segeln bei bestem Wind

Segeln bei bestem Wind

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Déjà-vu

Sonntag Früh 5 Uhr. Da wir um 5:45 Uhr durch die Brücke in Wolgast wollten, lichteten wir den Anker recht zeitig und waren pünktlich, kurz vor Öffnung, als einzige kurz vor der Brücke. Was dann folgte war wie ein Déjà-vu.

Am Vorabend waren bereits vereinzelt Gewitter über der Region. Über Wolgast entlud sich das Ganze aber genau in dem Augenblick als wir durch die Brücke mussten. „Super“ dachte ich, „hier hast du doch vor ein paar Wochen bereits schon mal die Hucke voll bekommen“. Und so sollte es diesmal auch kommen. Vorsorglich hatte ich den Regenkombi schon an, Joachim war unter Deck, also dann mal los. Eine halbe Stunde habe ich so richtig auf die Mütze bekommen.

Hier hatte ich dann auch gleich die Gelegenheit, zu testen, was mein Schuhwerk für Vor – oder auch Nachteile hat.

Die passenden Schuhe für trockenes Wetter 

Dummerweise hatte ich anstatt der Gummistiefel meine Testschuhe von 12seemeilen.de an. Den Zhik von ZKG.

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Modell zhik von ZKGs

Diese waren in nullkommanix durch. Eigentlich schade, Am Anfang machten sie durch die angenähte Zunge und das Material Neopren einen zumindest relativ wasserdichten Eindruck. Was aber hervorragend ist : ich habe an Oberdeck kein Antirutsch-Belag und trotz komplett nassem Deck halten die Schuhe einen perfekt auf den Beinen. Absolut rutschfest. Da störte es mich nicht einmal, dass Sie durchweg nass waren. Außerdem kenne ich das Gefühl von nassem Neopren durch meine Taucherfahrungen. Das eingedrungene Wasser erwärmt sich und die Füße sind dann mollig warm. Gut, an diesem Wochenende habe ich keine warmen Füße gebraucht, aber auf einem Herbsttörn wäre das sicherlich eine feine Sache. Die Verarbeitungsweise der Schuhe sieht sehr vielversprechend aus. Die Nähte sind sauber verarbeitet und der flexible Einstieg in die Schuhe, ermöglicht es auch denen, die etwas breitere Füße haben, komfortabel in die Schuhe zu steigen. Durch die Atmungsaktivität bekommt man keine Schweißfüße. Selbst bei längerem Tragen und  auch wenn die Temperaturen die 30 Grad-Marke überschritten haben.

Zur Haltbarkeit kann ich erst etwas sagen, wenn die Saison abgeschlossen ist und die Schuhe immer noch am Leben sind.

Einen kleinen Negativpunkt habe ich noch hinzuzufügen. Die Schuhe gibt es nur in halben Größen. Ich habe Größe 43, und musste daher 43,5 tragen. Es fällt nicht so sehr ins Gewicht, da die Schuhe etwa eine halbe Nummer kleiner ausfallen. Sollte aber bei einem Kauf berücksichtigt werden.

Mein Fazit : Für meine Ansprüche beim Schönwetter – Segeln haben die Schuhe, bis auf die Regenphase, bisher überzeugt. Außerdem passen Sie auch in der Freizeit zu meinem Kleidungsstil.

Es wird warm

Nachdem wir den Gewitterschauer überstanden haben, ging es trockenem Barfußes weiter Richtung Zecherin. Die Brückenöffnung um 9:40 Uhr war auf Grund des frühen Starts am Morgen kein Problem. Um 9 Uhr waren wir vor Ort. So blieb noch Zeit den Dieseltank nachzufüllen, um auch die letzte Etappe, bis Altwarp, ohne Zwischenstopp zurücklegen zu können. Hatte ich schon erwähnt, dass wir seit Ende des Regens wieder Flaute hatten ? So sollte es dann auch bleiben.

Noch ein Wenig Naß

Noch ein Wenig Naß

In der Ferne ist das Gewitter noch zu sehen

In der Ferne ist das Gewitter noch zu sehen

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... und wieder Flaute

… und wieder Flaute

Am Eingang zum Stettiner Haff gab es dann erst einmal was zwischen die Kiemen. Auf Grund der Wetterlage und der Brücke haben wir an Essen gar nicht gedacht. Die Sonne brutzelte zu diesem Zeitpunkt gnadenlos bei Temperaturen um 37 Grad auf uns herab. Ratzfatz war das Sonnensegel gespannt und weiter ging es. Hinter uns gab es noch ein paar ehrgeizige Segler, die sich langsam mit achterlichem Wind über das Haff bewegten. 2 Stunden später motorten dann alle.

es wird wärmer und wärmer

es wird wärmer und wärmer

... und heiß

… und heiß

 

Um 15 Uhr erreichten wir den Hafen von Altwarp. Bei einem kühlen Radler, ließen wir den Törn in aller Ruhe ausklingen. „Bornholm der erste Versuch“ entwickelte sich zu einem tollen Törn mit allem Drum und Dran. Viel Wind hatten wir wenig, dafür hatten wir jede Menge Flaute.

Zum Abschluss stellte ich dann noch fest, das meine Bilge voll Wasser gelaufen war. Leider nicht in dem Bereich, wo die Pumpe sitzt. Die Frischwasserpumpe hatte an einer Verbindung ein Leck und somit haben sich ca. 50 Liter Wasser breit gemacht.

Schöpfen und Pumpen im Wechsel und die Bilge war wieder leer. Nun ich wollte sowieso neue Tanks einbauen und die Schläuche erneuern. Nun weiß ich wenigstens was ich das nächste Mal zu tun habe, inklusive einer weiteren Bilgepumpe. Nun kann das ganze erst einmal trocken lüften.

Der letzte Punkt verzögerte ein Wenig meine Abfahrt. So war ich dann am Sonntag Abend gegen 20 Uhr wieder zu Hause. Einen leichten Sonnenbrand inklusive …

 

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