Mast – und Schotbruch – Schöne Segeltage mit ungutem Ausgang – 03. bis 09. Juni 2016

IMG_4265Ich habe ein paar Tage Zeit. Zeit um für mich alleine zu sein. Ein paar Sachen sind schnell zusammengepackt und das Auto beladen. Den Weg nach Altwarp vertreibe ich mir, wie so häufig, mit Gedanken an die bevorstehenden Segeltage. Die Tage vor dem Törn fühle ich mich zu Hause immer wie eingesperrt. Ich möchte unterwegs sein, die Seeluft genießen und mit tollen Erlebnissen wieder zurückkehren. Diesmal jedoch, sollte ich mit einer Erfahrung zurückkehren, die von vielen Seglern gefürchtet ist. Aber dazu komme ich Später.

In Altwarp angekommen geht’s nach nach dem Umladen auch schon los. Die Sonne geht langsam unter und ich nutze die noch vorhandene Helligkeit, um den Weg quer über das Haff Richtung Kaiserfahrt zu nehmen. Bei Dunkelheit mache ich das ungern, da die Fischer den Weg dorthin mit Stellnetzen und Reusenfeldern gepflastert haben. Bei Dunkelheit kann das böse ins Auge gehen.

In Swinemünde lege ich mich an die Aussenpier gegenüber der Wasserschutzpolizei. Hier zu liegen ist zum einen sehr bequem, da man am nächsten Morgen komplikationslos ablegen kann und zum anderen gibt es in der Nähe eine kostenlose Toilette die immer sauber gehalten wird. Ich gehe noch einmal Richtung Leuchtturm um den Blick von Land zu genießen, bevor ich mich zum Ausruhen hinlege.

Nach einer ruhigen Nacht und dem ersten Kaffee löse ich die Leinen. Das Großsegel habe ich bereits an der Pier gesetzt da der Wind auf meiner Seite steht und ich somit später nicht nochmal aufs Oberdeck muss. Die Ostsee erwartet mich mit einer sanften Dünung und mäßigem Ostwind. Da ich mir Rund Rügen vorgenommen habe passt das ganz gut . Ich genieße die Ruhe. Das lautlose Dahingleiten fühlt sich gut an. Lilo läuft von alleine. Wenn die Segel richtig gestellt sind vermisse ich auch keinen Autopiloten.

In Höhe Greifswalder Oie herrscht dann Flaute. Lilo schaukelt vor sich hin. Da ich nicht in Zeitdruck bin, nutze ich die Zeit um meinen Aussensteuerstand zu streichen. Die ganze Plicht hat es eigentlich nötig. Vielleicht schaffe ich den Rest ja auch in den nächsten Tagen.

Platt vorm Laken

Platt vorm Laken

Auf Grund der Flaute und der Winddrehung auf Nordost, entschließe ich mich dazu, über den Bodden in Richtung Stralsund zu Segeln. „Platt vorm Laken“ geht’s vorbei an dänischen Baggerschiffen und einigen Fischerbooten in Richtung „Palmer Ort“.

Der Strelasund ist heute wenig befahren. Ein Abendsegler kommt mir entgegen und verschwindet hinter mir in der Dämmerung. Zeit um auf die Suche nach einem Platz für die Nacht zu gehen. Ich entscheide mich für die Dalben vor der „Ziegelgrabenbrücke“. Da ich die erste Brückenöffnung nutzen möchte, liege ich in erster Reihe, wenn es um 5:20 Uhr losgeht.
Mit Blick auf die Brücke verabschiede ich mich nach einem langen Segeltag in die Koje.

Stralsund - Ziegelgrabenbrücke

Stralsund – Ziegelgrabenbrücke

Der Sonnenaufgang ist herrlich. Der Hafen von Stralsund schläft noch. Hier und da liegen Boote vor Anker, während ich mit meinen Weg Richtung Hiddensee bahne. Gemütlich, bei einer Tasse Kaffee, genieße ich den Morgen. Ein Weiteres Segelboot folgt. Den Bug kenne ich doch. Langsam zieht Micha mit seiner X-Trip an mir vorbei. Ebenfalls mit Kaffee am Steuerstand. „Wo soll’s hingehen ?“ „Westseite Hideensee zum Ankern“ lautet seine Antwort. Nach einem kurzen Smalltalk verabreden wir uns am Ankerplatz.

Bei wenig Wind und dann noch gegen an, starte ich den Motor. Nix. Keine Geräusch der Anlassers. Mist denke ich. Vor der Grünen Tonne ist es noch tief genug. Ich drehe nach Backbord aus dem Fahrwasser und was passiert? Ich sitze auf Dreck. Kein Vorwärtskommen mehr möglich. Nun erstmal gucken was mit dem Motor ist. Micha ist schon nen Kilometer weiter und über Funk nicht zu erreichen. Dann ein Blick zum Innensteuerstand. Sowas blödes. Als ich den Motor ausgemacht habe, habe ich vergessen den Notausknopf wieder reinzuschieben. Kleine Ursache, große Wirkung. Doch auch unter Motor kam ich nicht frei. Glücklicherweise sind an diesem Sonntag Morgen einige Motorboote zum Angeln unterwegs. Ich rufe eines herbei und innerhalb weniger Minuten bin ich wieder frei.

Am verabredeten Ankerplatz angekommen, werde ich schon erwartet. Da mein Anker nicht halten will, gehe ich bei der X-Trip längsseits. Ein gemütlicher Vormittag mit vielen Geprächen folgt. Bis Dienstag wollen Micha und Antje vor Ort bleiben und die Zeit auch mal ohne Hund Loupi genießen. Am Dienstag hält Micha nen Vortrag über seine Reise von Kroatien über Afrika und die Biskaja nach Deutschland. Wenn ich doch nur bleiben könnte. Ich hatte eigentlich entschieden, nach Kiel zu fahren um meinen Vater einzusammeln. Am Nachmittag machte ich mich dann auf den Weg Richtung Darßer Ort.

IMG_4252Der Wind von achtern und eine ungemütliche Welle begleitet mich in Höhe Darßer Ort. Es gibt drei Möglichkeiten. Ablaufen in den Nothafen, durchsegeln und wahrscheinlich mächtig auf die Mütze bekommen oder umdrehen und die Tage vor Hiddensee genießen. Die Dritte ist dann die Richtige in meinen Augen.Gegen 18:30 Uhr liege ich querab der X-Trip und mache mir mein Abendbrot. Frisch Gefangener Hornhecht mit Gemüse. Ich habe schon schlechter gegessen.

Erledigt

Erledigt

Der Montag beginnt mit einer kräftigen Portion Sonne. Nach einem gemütlichen Frühstück gucke ich mich um , und denke mir, hier bleibe ich heute. Micha und Antje wollen rund Hiddensee. Ich hole Farbe und Pinsel raus und streiche meine Plicht. Das habe ich schon lange vor, denn im hinteren Bereich war noch der orangefarbene Erstanstrich und sieht im Hafen immer nach einer Baustelle aus. Gesagt getan, am Ende des Tages habe ich es geschafft.

Weiter geht´s für die X-Trip

Weiter geht´s für die X-Trip

Zum Abend hin gehe ich ankerauf. Die X-Trip hat mir Ihre Position geschickt und so kommt es, das wir den Abend gemeinsam in einer Bucht nahe Stralsund vor Anker liegen. Für den morgigen Tag ist der Vortrag von Micha geplant. Da ich jetzt ja Zeit habe, werde ich daran teilnehmen . Ich bin schon gespannt, ist es doch ein tolles Abenteuer, welches er mit Hund Loupi durchlaufen hat.

Heute ist Dienstag .Hafentag. Ich verlege mich vom Ankerplatz an die Stadtpier von Stralsund. Ein paar Touristen kreuzen meinen Weg in die Stadt. Ich muss mir noch ein paar salonfähige Klamotten besorgen für den Vortrag. Meine Bordkleidung ist wohl eher ungeeignet dafür. Die Menge an Menschen in der Stadt drückt mich ein wenig ein. Nach Ein paar Tagen des Alleinseins an Bord, muss ich mich wieder einstellen. Ich erledige meine Dinge und finde mich pünktlich für den Mittagskaffee wieder an Bord ein. Ruhe . Die kann ich jetzt gut gebrauchen. Zeit für ein kleines Schläfchen, bevor ich mich um halb drei auf den Weg zur

Es waren super schöne Tage

Es waren super schöne Tage

Veranstaltung mache.

Der Saal ist voll. Ca. 150 Leute warten darauf das es endlich beginnt. Micha ist noch in den Vorbereitungen. So bleibt mir Zeit, Loupi einen kurzen Besuch zum kraulen abzustatten. Pünktlich um 15:30 geht’s dann los. Man merkt in den Worten Micha’s, wie er beim Erzählen seine Reise nochmals durchlebt. Es müssen tolle Erfahrungen gewesen sein. Gerade Häfen anzulaufen, die Abseits der „normalen“ Segelrouten liegen und dann noch auf dem afrikanischen Kontinent, gebührt meinen Respekt. Ich könnte noch Stunden zuhören. Stoff wäre bestimmt genug vorhanden.

IMG_4210Nach dem Vortrag nun geht’s es mit einem kurzen Stop am Chinaimbiss zurück zum Boot. Vorbereitungen für die Abfahrt stehen an. Um 21:30 möchte ich die Brückenöffnung nutzen. Ich bringe noch 2 Flaschen Wein zur X-Trip und verabschiede mich von Micha, Antje und Loupi. Es war eine schöne Zeit.

Die Brücke hat pünktlich geöffnet und so fahre ich Richtung Bodden. Palmer Ort ist mein Ziel. Dort angekommen, schmeiße ich den Anker und komme allmählich zur Ruhe. Mit Gedanken an die letzten Tage haue ich mich in die Koje.

Um 5:30 ist die Nacht vorbei. Vor Anker habe ich nie einen festen Schlaf. Da reichen heute schon kleine Wellen, um mich aus der Koje zu locken. Ein Kaffee für die erste Strecke ist schnell gemacht. Ich setze das Großsegel und gehe Ankerauf. Wind aus West in Stärke 6 erwartet mich auf dem Bodden. Wieder mal Platt vorm Laken komme ich mit 5,5 Knoten gut voran. Um diese Uhrzeit habe ich den Bodden für mich alleine. In Höhe Ruden kommt mir ein Motorboot entgegen und kämpft sich gegen die knackige Welle.

Unter Segeln, in gemütlicher Fahrt, passiere ich Peenemünde. Nur ein Tonnenleger verrichtet seine Arbeit. Ein paar erste Segelboote kommen mir auf dem Weg nach Wolgast entgegen. Bei dem Wetter hätte es mich auch gewundert, wenn ich der Einzige wäre, den es auf’s Wasser zieht. Mit einem Boot längsseits und einem im Schlepp liege ich an den Dalben vor Wolgast und warte auf die Brückenöffnung. Langsam finden sich auch andere Boote ein um Richtung Haff zu fahren. Ein kleiner Mittagessen und dann geht es auch schon weiter. Als letztes Boot fahre ich unter Großsegel durch die Brücke.

FullSizeRenderHinter der Brücke , es ist genug Platz, also setze ich zusätzlich noch die Genua. Der leichte Wind der vorhanden ist, füllt die Segel. Hinter den letzten Gebäuden der Stadt wird es sicherlich mehr werden denke ich. Und so kam es .
Mich überrascht eine kräftige Böe. Lilo legt sich auf die Backe. Steil wie noch nie. 70 Grad vielleicht..Viel Bekomme ich nicht mit. Ich eile zu den Schoten, doch zu spät. Ein lautes Ping und ein nachfolgendes Krachen. Mastbruch im Fahrwasser. Der Schock steckt mir in den Knochen. Ich sehe noch die anderen Boote und ich denke ein Teil sieht mich auch. Niemand kehrt um, um eventuell zu helfen oder zu schauen ob alles in Ordnung ist. Scheisse , nun hab ich richtig Probleme. Ich starte den Motor und lege vorsichtig den Rückwärtsgang ein in der Hoffnung, keine Schot und kein Want in die Schraube zu bekommen. Langsam komme ich aus dem Fahrwasser frei. Die Wassertiefe beträgt nun 4 Meter. Ich schaffe mir noch etwas Abstand und werfe den Anker. Puh. Erst einmal Gedanken sortieren und nen Kaffee trinken. Was war gerade passiert ? Ja es war eindeutig ein Segelfehler. Wäre ich nur schneller bei den Schoten gewesen. Warum ist das Want gerissen ? Fragen über Fragen, deren Antwort ich im Nachhinein finden werde.
Da liegt er nun. Backbord querab. Das andere Geberstet in Höhe des Mastfußes. Nun heißt es Ordnung schaffen. Keine Hilfe weit und breit. Ich löse alle Fallen und versuche die Segel zu bergen. Es gelingt. Sie sind beide heil geblieben. Na immerhin. Die an die Unterwanten komme ich heran. Auch diese lassen sich schnell lösen. Etwa ein Drittel des Mastes befindet Sich unter der Wasseroberfläche. Zu weit, um vom Boot aus etwas zu erreichen. Ich lasse das Beiboot zu Wasser und lege ein Seil oberhalb der Saaling an. Zurück an Bord ziehe ich den Mast mit der Winch ein Stück näher. So wird das nichts. Ich schnappe mir das Schlauchboot und schiebe es Stück für Stück unter den Mast. Es gelingt . Die Mastspitze kommt nach und nach frei. Mit Winch und Körperkraft gelingt es mir, den Mast an Bord und auf’s Deckshaus zu hiefen.

„Während dieser ganzen habe ich beobachtet, wie die Wasserschutzpolizei in etwa einem Kilometer Entfernung ihre Kreise dreht. Ich hätte mindestens erwartet, dass diese gucken kommt ob eventuell schlimmeres Passiert ist. Fehlanzeige.“

Jetzt wo alles klariert ist und meine Gedanken wieder klar, mache ich mich auf den Weg Richtung Altwarp. Auf Brückenöffnungszeiten in Zecherin brauche ich ja nun nicht mehr zu achten. Also lasse ich mir Zeit. Hinter der Brücke Zecherin gehe ich vor Anker und falle müde in die Koje. Das hat ganz schön geschlaucht.

6 Uhr Morgens. Ich wache auf und denke, was das wohl für ein blöder Traum war. Ich betrete die Plicht und stehe vor der Realität. Doch kein Traum. Der kleine Zeh meines linken Fußes schmerzt. Ich muss Ihn mir gestern wohl irgendwo angehauen haben. Was Solls. Gibt schlimmeres, denke ich. Ich gehe ankerauf und fahre übers Haff Richtung Altwarp. Die Gedanken kreisen. Was wäre gewesen, wenn sich neben mir ein Boot befunden hätte? Was wäre gewesen, wenn das auf der Ostsee Richtung Bornholm passiert wäre ? Wenn der Mast nach hinten statt nach vorne gefallen wäre ? Puh. Alles in Allem noch mal Glück im Unglück gehabt. Jetzt heißt es Wunden lecken und positiv in die Zukunft blicken. Mir wird schon etwas einfallen, damit die Segelsaison nicht ganz beendet ist.

Am frühen Nachmittag laufe ich in Altwarp unter neugierigen Blicken ein. Es muss für alle ein ungewohnter Anblick gewesen sein.

 

Die Törnberichte über Micha´s und Loupi´s Abenteuer findet Ihr unter www.X-Trip.eu

Es lohnt sich wirklich, sich auch einmal einen seiner Vorträge anzuhören.

Micha mit seiner Antje

Micha mit seiner Antje

 

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