Sommer, Sonne, Sonnenschein – oder der Törn der mich zeitweise ganz schön gefordert hat …

  1. Juni 2015

Da mich mein Job für diesen Freitag voll im Griff hatte, kam ich erst gegen 19 Uhr  im Hafen von Altwarp an. Dies ist allerdings keine Situation, die mich stört. Ich wusste, ich lege heute definitiv noch ab, und werde irgendwann am späten Abend in Swinemünde eintreffen. Ich liebe es einfach, bei Sonnenuntergang zu starten und in die Nacht hinein zu fahren. Eine Eigenschaft, die ich sicherlich von meinem Vater übernommen habe.

 

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Das Haff war an diesem Abend ein wenig aufgewühlt. Der Wind kam aus Süd – Ost, so dass ich, ganz bequem und in aller Stille, bis kurz vor die Kaiserfahrt segeln konnte.

Einfahrt in die Kaiserfahrt

Einfahrt in die Kaiserfahrt

Kurz vor Einfahrt in den Kanal dann Motor an, Segel runter und nun 15 km bis Swinemünde tuckern. Mit mir fuhr noch ein weiterer Segler ein, der aber wesentlich schneller unterwegs war als ich und bald nicht mehr zu sehen war. Nun ja … ich hab´s ja auch nicht eilig 😉

In Swinemünde ging es dann vorbei an den großen Fähren der Unity Lines. Diese wurden gerade mit den letzten LKW´s beladen, denn schon bald war Auslaufen angesagt …

Unity Lines

Unity Lines

Um kurz vor 0 Uhr machte ich dann an der vorderen Kaimauer des Swinemünder Yachthafens fest, um es mir zur Nacht gemütlich zu machen.

Ungefähr eine Stunde nach Augenschluß fing es langsam an zu Summen, was mich erst einmal nicht gestört hatte. Doch als es dann immer lauter wurde musste ich doch mal nen Blick riskieren.  Als ich die Schotten aufgemacht habe, kam mir ein Dröhnen entgegen, als wenn nicht weit von mir ein Düsenjet landen würde. Ok … es war dann doch nur das Lotsenboot, welches mit seinem irren Motorsound durch den Hafen Richtung Ostsee preschte, um die Lotsen an die großen Frachter zu bringen.

Da dies aber von dort an im Halbstundentakt vorkam, war an Schlaf nicht mehr zu denken. Also dachte ich mir, Kaffee machen Leinen los und auf Richtung Ostsee. Es war ja schließlich immerhin schon 3 Uhr Nachts. Da kann man ja schon mal losfahren um Rechtzeitig zu Sonnenaufgang auf der Ostsee zu sein. Ich habe es nicht bereut. Jetzt lasse ich mal ein paar Bilder sprechen …

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Ja … ich habe es einfach genossen …

Ab 10:30 kam dann der erste Wind auf. 3-4 Bft. aus Ost. Das war auch so angekündigt, und so konnte ich schönes Segeln vor der Küste Usedoms genießen.

Mein Ziel an diesem Vormittag war ein ganz besonderer Ort. Ein Ort, der einem zum Nachdenken anregt.

Am 30.05.2015 gegen 21 Uhr sank vor der Insel Usedom, ca. 40km nordwestlich von Swinemünde,  der polnische 23 Meter lange Segler „Down North“. An diesem Abend zog wohl eine Gewitterfront über dieses Gebiet. Einen kurzen Bericht findet Ihr hier.

Gegen 12.30 Uhr erblickte ich in der Ferne die Warntonne. Waren also die Koordinaten dich ich bekommen hatte richtig. Langsam näherte ich mich diesem Gebiet. Ich wusste ja nicht, in welchem Bereich das Schiff liegen würde. Näher dran konnte ich aber gut erkennen, welchen Teil ich meiden sollte. Ich barg die Segel und lies mich auf der ruhigen See treiben.

Aus dem Wasser ragten, etwa 1 Meter über der Oberfläche, die zwei Masten heraus. Eine etwas drückende Stimmung, wenn man daran denkt, dass das Unglück erst 2 Wochen her ist, und zu dem auch ein Menschenleben gekostet hat. Ein Foto von der Stelle und ich drehte nach 15 Minuten wieder ab und setzte die Segel.

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Gemütlich segelte ich Richtung Nord mit halben Wind Richtung Greifswalder Oje. Zu diesem Zeitpunkt habe ich mich schon des Öfteren gewundert, dass an diesem Tag, bei so schönem Wetter, nur sehr wenig andere Segler mit mir draußen waren. Wenig später ahnte ich dann, warum.

Kurz vor der Oje drehte ich Richtung West, um ins Fahrwasser Richtung Ruden und Peene zukommen. Hier sind die letzten beiden Bilder  von dieser Position die ich schießen konnte …

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… und ein kleines Video findet Ihr hier

 

Der Wind nahm in Böen bis  7 Bft zu und die Wellen von achtern wurden immer Höher und schaukelten mich richtig durch. Zeitweise surfte ich nur so mit den Wellen. Das mag jetzt nach viel Spaß klingen, doch ich hatte alle Hände voll zu tun. Zu Allererst musste mal das Großsegel Runter, so lange der Autopilot diese Welle noch mit macht. Danach ging es nur noch mit der Genua Richtung Westen. Immer schön mit der Welle und bloß nicht aus der Bahn kommen. Sobald ich nur ein wenig das Ruder verrissen habe, strafte mich die Ostsee mit einer kräftigen Schaukelei. Bloß gut festhalten dachte ich.

Das blödeste Gefühl kam noch, als ich kurz vor Ruden nach Südwest drehen musste, da ich keine andere Möglichkeit hatte um einen ruhigeren Ort aufzusuchen. Gut. Das ging dann zum Glück alles glatt und auf Höhe der Hafeneinfahrt von Ruden schwächte die Welle langsam etwas ab, so dass ich leicht schaukelnd Richtung Peenemündung segeln konnte. Ruden war zwar an diesem Tag auch noch geplant. Das habe ich mir bei Welle aus Ost aber dann doch verkniffen.

Mit nun wieder gutem Gefühl ging es dann auf der Peene Richtung Wolgast. Mein Ziel war an diesem Abend die Zecheriner Brücke, um diese am Sonntag in der Früh zu passieren. Aber Es sollte doch anders kommen.

Vor der Brückenöffnung in Wolgast, hatte ich noch etwa 2 Stunden Zeit. So ging ich vor Anker und hab mir erst einmal ein Abendbrot gegönnt. Das konnte ich nach diesem  Nachmittag gut gebrauchen.

Um 19.15Uhr machte ich mich dann auf den Weg Richtung Brücke. Da es nach regen aussah , hatte ich mich vorsorglich in meinen Kombi geschmissen. Man kann ja nie wissen J und dann ging es los.

5 Minuten vor Brückenöffnung, öffneten sich auch die Regenwolken. Wind, Regen und Hagel. Als die Brücke langsam zu öffnen begann, war ich schon nass bis auf die Knochen. Prima … Wind und Regen von allen Seiten und komplett nass, entschied ich, hinter der Brücke anzulegen um das Unwetter abzuwarten. Beim Anlegen dann noch eine Böe aus der falschen Richtung und mit einem leichten Krachen lag ich nun an der Pier. Schnell noch fest gemacht und raus aus den Klamotten. Ich beschloss, die Nacht hier in Wolgast zu verbringen um dann pünktlich zur Brückenöffnung, um 9.40Uhr Sonntag früh, in Zecherin zu sein. Eine halbe Stunde später gingen bei mir die Lichter aus …

Zecherin und die Sache mit der Brücke …

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Da ich die Brückenöffnung um 9:40 schaffen wollte und etwas knapp in der Zeit war, rief ich um 9:15 beim Brückenwärter an, um mich vorsorglich anzumelden, da nicht sehr viele Segler bei diesem (Mist-) Wetter unterwegs waren.
Ich teilte Ihm mit, dass ich zu 95% um Punkt 9:40 da sein werde.

Er schildert mir, dass es eine neue Dienstanweisung gibt, dass wenn sich bis 9:50 kein Boot in Brückennähe aufhalten würde, er nicht mehr die Brücke öffnen dürfe.
So weit so gut. Ich habe es dann bis 9:35 geschafft und somit war ich rechtzeitig vor Ort. Mit mir auf meiner Seite noch ein weiterer Segler.

Die Brücke öffnete und es kamen erst einmal 5 andere Segler aus Richtung Haff. Da auf meiner Seite der Brücke nicht allzu viel Platz ist, habe ich noch eine kleine Extrarunde gedreht. Als keine Kollisionsgefahr mehr bestand, passierte ich dann als 2ter die Brücke und wurde aus dem Fenster gleich vom Brückenwärter angemacht, warum ich denn nicht näher an die Brücke rangefahren wäre und hat auf seine Uhr gezeigt.
Das fand ich schon ziemlich dreist, weil ich meiner Meinung nach nun wirklich nicht getrödelt habe.

Was dann kam war der Hammer. Als ich durch die Brücke fuhr kam von der anderen Seite noch ein Nachzügler. Dieser war bei meiner Durchfahrt etwa zwei Bootslängen von der Brücke entfernt. Als ich durch war, drehte er Richtung Brücke und wollte gerade Gas geben, da schloss sich direkt vor Ihm die Brücke und er stand da wie ein Depp …

Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Brückenwärter Ihn vorher nicht gesehen hat. Ebenso kann ich mir nicht vorstellen, dass er in Eile war, da zu dieser Zeit auf der einen Seite der Brücke lediglich 1 Auto stand und auf der anderen Seite gar keins.

Naja, der andere Segler hat sich ordentlich geärgert. Aber letzten Endes war er Nachzügler und seine Ampel auf Rot. Vielleicht hatte ja der Brückenwärter auch nur einen schlechten Tag.

Nun ging es für mich weiter Richtung Stettiner Haff und rüber nach Altwarp. Das Wetter hat sich nicht großartig verbessert. Diesmal Wind aus West und wie soll es anders sein, wieder Welle von hinten. Zwar ein wenig kleiner als die am Vortag auf der Ostsee, aber immer noch ungemütlich genug. Hier ein kleines Video von der Überfahrt.

Gegen 15:30Uhr lief ich dann in Altwarp ein. Und wie es so ist im Leben … Eine halbe Stunde nach Ankunft, kam die Sonne raus und die Temperatur stieg auf 20 Grad.

Alles in allem war es ein tolles Segelwochenende, an dem ich jede Menge Erfahrung mitnehmen konnte.

Ich freue mich auf den nächsten Törn !

 

 

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