Ueberwintern im Wasser bei Schnee und Eis

Supra

Für viele Segler ist das Ueberwintern im Wasser bei Schnee und Eis ein Dorn im Auge. Winterstürme, Eisschollen und die regelmässige Kontrolle des Bootes stellen jeden, der sich über dieses Situation Gedanken macht, vor kleine Herausforderungen. Ich bin am Ende der letzten Saison diesen Schritt gegangen, weil ich bei allen, teils auch mit Sorge gefüllten Gedanken, dennoch einige Vorteile für mich gesehen habe.

Einige für mich relevante Vorteile möchte ich kurz erläutern

Wegfall von Kranterminen und deren Kosten

Für viele mag dieser Punkt nicht so bedeutend sein, da sie Ihr Boot vielleicht direkt vor der Haustür oder in einem naheliegenden Hafen im Wasser haben. Für jemanden der berufstätig ist und wie ich über 200km Wegstrecke zu meinem Liegeplatz bewältigen muß, ist Zeit ein wichtiger Faktor. So ist neben der Fahrstrecke auch oftmals ein Urlaubstag zu opfern um das Boot in den Winterschlaf zu versetzen. Letzteres wäre im letzten Jahr bei mir der Fall gewesen. Zum Anderen fallen dementsprechend auch die Kosten dafür weg.

Hafentrailer oder Unterstellbock

Ich hatte mich in der letzten Saison nicht darum gekümmert, einen passenden Trailer für mein Boot zu erwerben. Auch den Bau eines Bockes hatte ich nicht in Erwägung gezogen. Beides hätte mich sowohl Zeit als auch Geld gekostet. An beidem habe ich gespart.

Meine persönliche Segelsaison hat sich verlängert

Wer einmal im Winter gesegelt ist, wird dies immer wieder gerne tun. Bevor das Eis kommt, die Gelegenheit zu haben, bei frostigen Temperaturen und traumhaften Landschaftseindrücken die Natur zu geniessen, ist schon etwas ganz besonderes. Für viele Segler endet die Saison häufig Anfang Oktober. Da kann es durchaus noch sehr sonnige und auch warme Momente auf dem Wasser geben. Während andere also schon am Schleifen und Abdecken sind, hat man die Weite Wassers meist für sich alleine. Im Frühjahr ist es ähnlich. Jeder Segler kennt das Gefühl der Sehnsucht, wenn es draussen schon warm wird, die Tage länger und der Wind beständiger wird. Dann kann es für einen selbst nicht schnell genug gehen, ins Wasser zu kommen.

Hafenidylle

Hafenidylle

Mögliche Nachteile

„Möglich“ deshalb, weil es bei näherem Betrachten vielleicht nicht unbedingt Nachteile sind. Häufig macht man sich Gedanken über die noch vorhandene Qualität seines Antifouling, oder über den Allgemeinzustand des Unterwasserschiffes, weil man das ein oder andere Mal in der letzten Saison auf Dreck gelaufen ist.

Für mich habe ich eine Möglichkeit gefunden, dies vor dem Winter zu kontrollieren. Ich habe das Boot zum Beginn der Wintersaison abgetaucht. So konnte ich davon ausgehen, dass diesbezüglich alles in Ordnung ist. Sicher ist dies nicht für jedermann möglich, doch einige von Euch kennen vielleicht im Bekanntenkreis einen Taucher, der dies übernehmen könnte. In Verbindung mit einer Grillwurst im Nachgang, kann es ein toller Nachmittag werden.

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Der Eine oder Andere hat bestimmt eine Outdoorkamera wie zum Beispiel die GoPro. Solche Kameras lassen sich mit einfachen Mitteln an den Bootshaken montieren und nach dem Einsatz kann man sich die Bilder relativ schnell auf dem heimischen PC anschauen.

Lackschäden durch Eis sind nicht zu 100% vermeidbar. Wenn man sein Boot aber zu Beginn der Sommersaison für drei Tage auf Slip nimmt, kann man diese unter Mithilfe von Freunden oder Fachleuten relativ zügig beheben. Ein verlängertes Wochenende auf Slip ist deutlich günstiger als eine Saison im Winterlager.

Winter in Altwarp

Ueberwintern bei Minusgraden

Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem man entscheiden muss zwischen „mach ich das Boot nun frostsicher oder warte ich noch bis zum nächsten Mal“. Dieser Zeitpunkt sollte nicht zu optimistischen geplant sein, denn frostige Temperaturen sind gerade bei ungünstigen Winden sehr schnell erreicht. Die Arbeiten am Boot sind jedoch die selben, wie auch im Winterlager. In meinem Fall habe ich den Motor eingewintert, die Seeventile in Küche und Toilette mit Frostschutz befüllt und in die Lenzöffnungen der Plicht habe ich zusätzlich noch Gummischläuche eingelegt. Letzteres gibt dem Wasser die Möglichkeit, sich ausdehnen zu können.

Lebensmittel

Grundsätzlich sollten alle Behältnisse, in denen sich vorhandenes Wasser ausdehnen könnte, vom Boot entfernt werden. Es gibt eine morz Sauerei, wenn Konservendosen dicke Backen machen oder Gläser mit Gemüse in tausend Stücke gesprengt werden. Der Gestank, der dadurch entsteht, kann durchaus vermieden werden. Ich habe mich dafür entschieden alle Lebensmittel von Bord zu nehmen. Ich fülle die Vorräte sowieso nach und nach wieder auf, wenn die Touren wieder regelmässig werden.

Am Liegeplatz

Da in den meisten Häfen im Winter ausreichend Liegeplätze vorhanden sind, sollte man sich für die Frostzeit eventuell einen etwas grösseren Platz vom Hafenmeister zuteilen lassen. Je mehr Bewegungsfreiheit das Boot hat, desto besser kann es sich beim Einfrieren anpassen. Die Leinen sollten ausreichend dimensioniert sein, so dass sich das Boot mit dem Eis bewegen kann. In meiner Situation habe ich noch zusätzlich Vor – und Achterspring ausgebracht. Diese geben mir, gerade wenn viel Wind herrscht, ein sicheres Gefühl. Da ich gut mit dem Hafenmeister aus Altwarp kann und Altwarp ein sehr überschaubarer Hafen ist, konnte ich mich darauf verlassen, dass meine Leinen regelmässig in meiner Abwesenheit kontrolliert werden. Das gab mir zusätzlich ein besseres Gefühl.

An Oberdeck

An Oberdeck habe ich bewusst auf das Abdecken mit einer Plane verzichtet. In Anbetracht dessen, das in Altwarp ab und an mal recht starker Wind aus Ost eintrifft, hätte eine Plane die Angriffsfläche deutlich vergrössert. So konnte ein unnötiges Schaukeln weitestgehend vermieden werden. Lose Teile, wie Angelrute, Tampen und ähnliches habe ich unter Deck verstaut. lediglich den Rettungsring hatte ich vergessen, was ich aber nicht als schlimm empfinde. Die Segel habe ich, wie auch die übrige Zeit im Jahr, angeschlagen gelassen. Diese haben ihre beste Zeit schon hinter sich und werden durch den neuen Besitzer von „Fe“ demnächst wohl erneuert werden.

Blick nach Neuwarp

Blick nach Neuwarp

Jetzt, wo die ersten Frühblüher schon das Licht der Welt erblickt haben und die Sommersaison vor der Tür steht, freue ich mich, zusammen mit dem neuen Besitzer von „Fe“, dass sie den Winter sehr gut überstanden hat.

Im nächsten Winter werde ich wieder im Wasser bleiben. Dann allerdings mit „Lilo“

Ich wünsche allen Seglern einen tollen Start in ihre Saison. Vielleicht denkt ja der Eine oder Andere nun ebenfalls über das Ueberwintern im Wasser bei Schnee und Eis nach.

 

Micha

2 Comments

Wolfgang

about 1 Jahr ago

Hallo und danke für deine Einblcke in das Überwintern. Wie hast du das mit den Seeventilen genau gemacht? Einfach nur Frostschutz einfüllen schützt ja nur den Bereich bis zum Seventil. Was ist mit dem Stückchen das voll mit Wasser/Eis ist das außerhalb, also hinter der Kugel sitzt? Da kann ja auch Eis einen Schaden verursachen. Aller best ... Wolfgang

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Klaus von der Néfertiti

about 1 Jahr ago

Hi Micha, Néfertiti hat die letzten vier Jahre auch im Wasser überwintert. (Stahlschiff). Nie Probleme gehabt, allerdings hielt sich der Eisgang in den Jahren auch in Grenzen. Dafür musste ich bei dem einen oder anderen heftigen Sturm (z.B. Xaver) im Winter ohne Heizung an Bord schlafen ... Es gibt einen unerwähnten Punkt auf den man achten muss: Bei Seeventilen mit Kugelkopf bleibt bauartbedingt im Kugelkopf Wasser stehen. Wenn dieses gefriert, kann das Ventil zerreißen. Dann dringt zwar nicht unbedingt sofort Wasser ein, aber spätestens, wenn das Eis schmilzt ... Je tiefer das Seeventil sitzt, desto unwahrscheinlicher ist das Einfrieren, selbst wenn an der Wasseroberfläche eine dicke Eisschicht schwimmt... Liebe Grüße Klaus

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